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Neue Streaming-Plattform: Earbits schielt nach Deutschland

30. Juli 2013
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Die Debatte um Streaming-Vergütungen hat mit dem Zug von Thom Yorke, die Atoms for Peace Songs aus den Spotify Angebot zu entfernen einen weiteren kleinen Mosaikstein erhalten (ganz zu schweigen von der nicht ganz ernst zu nehmen Spotify-„Studie“ – zur Kritik daran hier entlang.). Doch während Spotify, simfy und Co. Label-Kataloge einkaufen, gehen andere Plattformen auch andere Wege.

Earbits heißt der Dienst, der in den USA schon recht bekannt ist und nun auch seine Fühler nach Deutschland ausstreckt. Ich wurde angeschrieben und habe den Dienst einmal ausprobiert – zugegeben, nicht exzessiv genug, um allgemeine Urteile abzugeben, aber urteilen muss sowieso jede/r für sich selbst selbst.

Screenshot: earbits.com

Screenshot: earbits.com

Earbits ist eine Art Online-Radio und Streaming-Dienst. Es gibt weder Werbung noch Bezahl-Optionen für NutzerInnen. Earbits finanziert sich über Labels und/oder Bands, die auf der Plattform gehört werden wollen. Jetzt könnte man vermuten, dass jede Band, die bezahlt, auch ins Programm kommt, und mit viel Geld produzierte Major-Produkte in Format-Radio-Stärke vertreten sind – weit gefehlt. Earbits hat den Anspruch, den NutzerInnen Newcomer vorzustellen (was m.E. auch funktioniert). Deshalb führt der Weg ins Programm nicht nur über Bezahlung. Grundsätzlich können Bands Earbits auch kostenlos nutzen. Jedoch bedeutet Bezahlung auch Airtime.

Wie mir versichert wurde, wird wirklich jede Einsendung auch gehört. Mein Eindruck ist, dass die Redaktion Homerecording und Schülerbands – so charmant das auch sein mag – dankenswerterweise aussortiert und ihr als NutzerInnen Musik an der Schwelle zur Professionalität hört, wenn diese nicht längst überschritten wurde. So werden beispielsweise die Donots als Thumbnail für das Genre „Alternative Rock“ verwendet (was bei einer Plattform, die immer noch zuerst die USA im Blick hat, sogar Sinn macht, schließlich sinnt die Ibbenbürener dort vor Kurzem zum ersten Mal getourt). Aber auch Björk und Ben Harper sind beim Probehören untergekommen.

Ich habe habe probeweise ein paar Bands gesucht. The National waren nicht zu finden („Not found. Maybe they’re too mainstream?“), Alabama Shakes schon. Viele wahllos eingetippte Acts, die ihr rechts in der Tag-Cloud seht, wurden nicht gefunden. Aber genau darum geht es ja bei earbits: neue Musik hören.

Earbits legen den Fokus darauf, dass ihr schnell und unkompliziert mit euren Neuentdeckungen interagieren könnt. Wenn euch ein Track gefällt, könnt ihr mit jeweils einem Klick, das Künstler-Profil, die Diskografie, Homepage, Facebook-Account, Twitter-Profil, Newsletter etc. aufrufen, bestellen und was nicht alles. Wenn sie free Downloads anbieten, poppen diese am rechten Bildrand auf. Das ist in meinen Augen recht gelungen, krankt nur daran, dass manche Künstler bestimmte Kanäle gar nicht bespielen und man sich anfangs um Kopf und Kragen sucht, warum denn dort kein Link zur Website zu finden ist. Das ist dann der Benefit für die MusikerInnen: Anstelle von Vergütungen führt die Plattform potentielle zukünftige KäuferInnen und KonzertgängerInnen zu – wobei das mit dem Kaufen für Freunde digitaler Musik jetzt schon möglich ist. Auch können die Bands auf ihren Profilen direkt Merchandise verticken. Für das Abspielen von Songs gibt es aber nichts.

Einerseits dürfte das der GEMA, Thom Yorke und Sven Regener die Haare zu Berge stehen lassen – andererseits basiert das Konzept auf absoluter Freiwilligkeit. Es geht nicht, dass Bands aufgenommen werden, ohne zugestimmt haben, anders als beispielsweise auf Youtube, wo alle NutzerInnen Content von dritten UrheberInnen hochladen können.

Natürlich kommt keine Plattform ohne eine App daher – Earbits bietet diese bisher nur für Android an. Der Download im PlayStore ist ebenfalls kostenlos. Nennt mich unaufmerksam, aber etwas erschrocken war ich schon, als die App erst mal im ersten Schritt sämtliche Musik auf dem Gerät auf Genre, Künstler usw. analysiert hat. Das hätte ich vorher gerne etwas expliziter bestätigt. Schön für Shuffle User, für mich als Album-Freund eher nicht so toll: Die App läuft mit dem default setting, auf dem Gerät gespeicherte Musik und durchs earbits-Radio shuffelnde Songs 50:50 zu mixen.

Wenn man eine Registrierung über seinen Facebook-Account (wie ich) vermeiden möchte, gibt es bislang noch keine Option auf dem Smartphone und nach dem Login auf Desktop-Rechnern den gleichen Account zu nutzen. Daran wird, wie mir geschrieben wurde, gearbeitet und schon in wenigen Wochen soll es eine Lösung geben. Ich muss zugeben, die App habe ich alles andere als intensiv getestet. Ein paar Eindrücke gibt es zum Beispiel auf android-user.de.

Seinen Zweck, auf neue Musik zu stoßen, erfüllt earbits zumindest auf kurze bis mittlere Sicht schon. Ich habe innerhalb relativ kurzer Zeit (weniger als 90 Minuten) zwei bis drei Songs gehört, die mich dazu gebracht haben, den Favorite Button zu klicken und mir die Websites sowie die Diskografie anzuschauen. Was mir als Album-Freund dann fehlt, ist die Möglichkeit, diesen permanenten Shuffle-Mode auszuschalten und einmal ein Album durchzuhören. Man kann zwar ein Album hinten anstellen, aber die Songs des Album wurden bei mir im Test doch wieder durcheinander abgespielt.

Ich bin gespannt, welche Chance earbits längerfristig in Deutschland hat. Das Portal ist potentiell attraktiv, weil es kostenfrei genutzt werden kann und einfach zu bedienen ist. Gleichzeitig fällt es nicht sehr leicht, gezielt Musik zu spielen, was viele abschrecken wird. Entscheidend für den Erfolg in Deutschland dürfte sein, das Musik-Angebot aus Europa und Deutschland selbst deutlich auszubauen. Dafür wiederum müssen sich eine Vielzahl von Acts bereit erklären, ihre Musik ohne Vergütung zur Verfügung zu stellen oder sogar dafür zu zahlen. In Anbetracht der bislang minimal niedrigen Erlöse für kleine Bands bei den Streaming-Riesen scheint es fast so, dass der Kostenlos-Tarif für die Bands gar keinen Verlust darstellt – bei Spotify kommt schließlich auch kaum Geld rein. Die Musik aber nur noch als Mittel zum Zweck zu betrachten, an potentielle Merch- und Ticket-Käufer zu kommen. Das bleibt mir zuwider.

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