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[Review] Baroness stellen „Purple“ im SO36 vor

4. April 2016

Baroness + Closet Disco Queen
Berlin, SO36 – 20. März 2016

Seitdem ich Baroness zum letzten Mal gesehen habe, ist einiges passiert. Auf der gleichen Tour zum Album Yellow & Green, erlitt die Band bei einem Busunfall in Großbritannien schwere Verletzungen. Erst nach bangen Wochen stand glücklicherweise fest, dass alle Mitglieder wieder gesund und in der Lage sein würden, weiterhin Musik zu machen. Matt Maggioni am Bass und Allen Blickle am Schlagzeug entschieden sich jedoch dagegen weiter mit der Band um die Welt zu reisen, sodass sich Baizley und Adams eine neue Rhythmusgruppe suchen mussten. Und erst als auch das geschafft war, meldeten sich Baroness mit einer Tour durch die USA und Europa sowie mit einer Live-EP zurück, um im Anschluss das aktuelle Album zu schreiben und aufzunehmen.

Das kann aber nicht alles gewesen sein, denn vor vier Jahren haben die vier Amerikaner den Magnet Club voll gemacht und nun meldet das mehr als doppelt so große SO 36 ausverkauft. Das kann doch nicht allein der Aufmerksamkeit und Anteilnahme nach dem Unfall geschuldet sein. Das wäre Mitleid. Closet Disco Queen als Opener machen ihren Job mit den instrumentalen Groove-Metal-Stücken gut, aber auch sie dürften nicht für den Zuschauerzuwachs gesorgt haben. Der Grund dürfte wohl eher beim aktuellen Album der neu formierten Truppe aus Savannah, Georgia liegen. Nach Red, Blue, dem Doppel Yellow & Green folgt nun Purple. Darauf führen sie den eingeschlagenen stilistischen Wandel weiter. Einst als Metal-Erneuerer gehandelt, klingt vieles vom neuen Material wie Sludge. Das Songwriting aber führt, ohne den Konventionen des Radios auf den Leim zu gehen zu schmissigen Drei- bis Vierminütern. Und zu all dem haben Baizley und Adams das Schreien komplett aufgegeben. Obwohl sie keine begnadeten Sänger sind, singen sie meist als Duo, strecken lange Voookaaaleee über die brettharten Riffs. Das Ergebnis ist rau und dynamisch. Eine Art Sludge-Pop.

Stimmliche Unpässlichkeiten treten auch an diesem Abend im SO auf, aber sie treten im frenetischen Jubel der ersten Reihen deutlich in den Hintergrund. Es ist eine feine Idee, die Bühne in die Farbe des jeweiligen Albums zu tauchen, wenn die entsprechenden Songs auf der Setlist auftauchen. Lila, gelb und grün dominieren die erste Stunde, im weiteren Verlauf schütteln die Männer ihre Haare immer öfter in kaltem, kraftvollem Blau. Es dauert aber bis zur Zugabe, dass die Bühne zum ersten Mal rot aufleuchtet. Eine Erinnerung an das erste Mal, als sie im ebenfalls ausverkauften Festsaal Kreuzberg um die Ecke auf der Bühne standen. Und den Metal erneuerten. Im Festsaal wird nach einem Großbrand lang nicht mehr gefeiert. Die minutenlangen Gitarrensoli sind längst verstummt. Nur die Haare von John Adams fliegen immer noch um sein brutal hin und her zuckendes Haupt.

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