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[Review] Courtney Barnett & Big Scary spielten im Berliner Postbahnhof

23. November 2015

Courtney Barnett & Big Scary
21. November 2015 – Berlin, Postbahnhof (ausverkauft)

Da stecken die Pinguine die blaue Zunge raus: Courtney Barnett im Postbahnhof

Da stecken die Pinguine die blaue Zunge raus: Courtney Barnett im Postbahnhof

Pinguine, dunkle, fliegende Fabelwesen und Clowns gehörten nur zu den klar definierbaren Animationen, derer sich Besucher_innen des Konzerts von Courtney Barnett am Samstagabend im Berliner Postbahnhof erfreuen durften. Ein großer Beamer tauchte die Australierin und ihre zwei Mitmusiker an Bass und Schlagzeug in ein zumeist farbenfrohes Lichtspiel. Dabei dürften die meisten nicht mal wegen dieser optischen Untermalung auf das Gelände am Ostbahnhof geströmt sein. Das Schicksal teilen die Animationen mit Big Scary, der vierköpfigen Vorband aus Melbourne, der es gelang Synthie-Sounds und ein Saxophon angenehm präsent in den Sound-Kontext einer Indie-Rockband einzubringen und damit nicht cheesy zu klingen. Im Jahr 2016 wird die Gruppe ein neues Album veröffentlichen.

Beide, die Grafiken und Big Scary, machten diesen Abend aber nur noch besser. Selbstredend hingen die Zuschauer – Karohemden-Overkill mit wenigen altersmäßigen Ausschlägen nach oben, die dann auch nicht selten in Anzugjacken in den hinteren Reihen verharrten – Courtney Barnett an den Lippen. Die Linkshänderin, die ohne Plektron in der Hand, einen erstaunlich dicken Sound auf der Gitarre entwickelte, ließ sich dann auch nicht lange bitten und führte hauptsächlich Werke ihres immer noch aktuellen und gerade in einer Special Edition wiederveröffentlichten Debüt-Albums Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit auf. Schnell wurde klar, warum sie nach einem Auftritt im kleinen Magnet und einem zuletzt ebenfalls ausverkauften Heimathafen Neukölln nun auch den Postbahnhof voll machte.

So unprätentiös und druckvoll spielte sie Ihr Set herunter, als hätten die tausend Menschen vor der Bühne nichts mit ihr zu tun. Die Blumenmuster in den Haaren vieler Besucher_innen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Barnetts Live-Performance wenig von der Schluffigkeit hatte, die man vielleicht erwartet hatte. Neben den offensichtlichen Hits wie The Avant Gardener, Nobody Really Cares If You Don’t Go To The Party oder Elevator Operator gehörten vor allem die die lang gezogenen, hypnotisch gondelten, heiser verhallenden Stücke wie Kim’s Caravan zu den Highlights der Show. Hier wurde auch deutlich, dass die scheinbare Scheiß-Egal-Haltung nicht Ausdruck einer absichtlichen Coolness sein muss, sondern auch einer deprimierten Apathie entspringen kann. Da erschien Barnett als Kämpferin mit sich selbst und ihren sechs Saiten, deren Tiefe und Kraft sich erst im Laufe des Abends so richtig entfalteten. Demnächst wird sie diesen Kampf wohl auf noch größeren Bühnen austragen dürfen.

www.musikblog.de reviewt auch.

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