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[Review] Olli Schulz – „Feelings aus der Asche“

10. Januar 2015
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Olli Schulz - "Feelings aus der Asche" (Trocadero / Indigo / VÖ: 09.01.15)

Olli Schulz – „Feelings aus der Asche“ (Trocadero / Indigo / VÖ: 09.01.15)

In dem Promo-Video zum neuen Olli Schulz Album Feelings aus der Asche „interviewt“ Jan Böhmermann seinen Podcast-Partner und Radio-Kumpel im Berliner Schnösel-Viertel Zehlendorf, weil der ihm mal sein Zuhause zeigen will. Mit diesem typischen Mix aus beißender Ironie, Dada und Witz sind die beiden nach Schulz’s Fernsehkarriere zum Aushängeschild am Sonntagnachmittag auf radio eins geworden. Weil da Album aber nun eher weniger albern ist, wirkt das Video reichlich unpassend, wie ein Projekt des TV-Ollis, dem albernen Haudrauf-Fernsehmann Schulz, der nicht zum Pointen-schwingenden Familienvater passen will, der mit Akustik-Gitarre unter dem Arm durch die Lande zieht.

Während die Entwicklung, auch ernstere Töne anzuschlagen, nach dem bereits sehr runden, ebenfalls von Moses Schneider produzierten SOS – Save Olli Schulz (2012, Review hier) vielleicht sogar absehbar war, sind die eigentlichen Überraschungen zwei andere Entwicklungen: Zum einen hat der Songwriter Olli Schulz ein Band-Album gemacht. Gisbert zu Knyphausen am Bass ist recht präsent im Hintergrund zu hören, aber insgesamt machen die drei Mitmusiker ihren Job unauffällig in einem guten Sinne. Die Songs sind ohne Band-Gerüst kaum denkbar. Und zweitens hat der große Ironiker Olli Schulz erstaunlich persönliche Lieder geschrieben. Sei es die ins Zimmer kommende Tochter (Als Musik noch richtig groß war) oder die haarsträubenden Arbeitsbedingungen im Entertainment (Passt schon!) – man hatte vielleicht noch nie das Gefühl, Schulz so aufrichtig zu hören.

Dass Olli Schulz trotzdem noch Lieder Boogieman nennt, bleibt auf Feelings aus der Asche die Ausnahme. Wo er sich jedoch Albernheiten erspart, rutscht ihm der eine oder andere Tropfen Kitsch raus. „Wir sind alle Kinder der Sonne,“ singt er. Da wünscht man sich für einen Augenblick die Ironie zurück. Auch der Titeltrack fällt mit Blick auf das gesamte Album ab. Zu deplatziert wirken die vier auf Englisch eingesungenen Zeilen. Aber keine Sorge, der gelungene Opener So muss es beginnen und nicht zuletzt die gute Single Phase sorgen dafür, dass die neue Olli Schulz zu ihrem Vorgänger aufschließen kann. Feelings aus der Asche – eine runde Sache mit großartigem Titel.

Olli Schulz geht mit Band im März auf Tour.

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