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[Review] Spaceman Spiff – „Endlich Nichts“

18. Januar 2014
Spaceman Spiff - "Endlich Nichts" (GHvC / mairisch verlag / VÖ: 10.01.14)

Spaceman Spiff – „Endlich Nichts“ (GHvC / mairisch verlag / VÖ: 10.01.14)

„Woanders ist auch immer / nur ein weiteres Hier […] Nur weil alle andern reden, / heißt das nicht, sie haben recht. […] Vorwärts ist keine Richtung / aber alle rennen mit.“ So schön kann ein junger Mensch die Zwischendenstühligkeit der heutigen Nicht-mehr-an-der-Uni-aber-soll-das-jetzt-dieses-Leben-sein-Generation beschreiben. Mit Vorwärts ist keine Richtung legt der Songwriter Hannes Wittmer aka Spaceman Spiff im Opener seines dritten Albums nicht nur einen tollen textlichen Einstand hin, sondern auch ein hohes Tempo vor. Es folgt die balladeske Deutschland-Tour Teesatz, bei der man nicht weiß, ob nun die Freunde des Protagonisten oder nicht doch eher die Schauplätze Würzburg, Hamburg, München oder Berlin besungen werden. Und gleich darauf mein persönliches Lieblingslied des Albums, Mind the gap.

Spätestens jetzt ist klar, das Album ist alles andere als Endlich nichts. Die zahlreichen Vergleiche mit Gisbert zu Knyphausen rühren nicht nur von der stimmlichen und stilistischen Ähnlichkeit mit dem deutschsprachigen Vorzeige-Zausel – weitgehend politikbefreite Liedermacherei mit Hang zur Romantik und Instrospektive – sondern auch von der ebenfalls hohen Qualität dessen, was der Würzburger veröffentlicht. An Endlich nichts haben auch Jonny König (Drums) und Felix Weigt (alles mit Saiten und zum Draufhauen) mitgearbeitet. Bei so viel schöner Poesie und so viel Popularität der Protagonisten, die wahlweise mit Youtube-Clips das Internet an sich binden oder mit Der höchsten Eisenbahn sämtliche Clubs restlos ausverkaufen, muss man ja geradezu froh sein, dass das Album im weiteren Verlauf noch ein paar (etwas) schwächere Momente offenbart.

Ganz seltsam, dass solche Alben in manchen Rezensionen Euphorie-Stürme lostreten. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Endlich nichts ist ein sehr gutes Album. Aber nicht im geringsten euphorisch. An vielen Stellen melancholisch, nachdenklich beobachtend (z.B. das schöne Akustik-Stück Wände). Und sehr häufig mit tollen Zeilen gesegnet: „All die fleißigen Gedanken / richten mehr an / als sie begreifen können / sie kochen über, irgendwann.“ Noch eine? Hier: „Ich war immer Bergsteiger / doch dieses Land ist scheiß eben. / Bau ich einen Berg oder / lern ich hier zu leben?“ (Milchglas). Es ist diese Erkundung zwischen Wollen und Sollen, zwischen Können und Müssen, die Spaceman Spiff auf diesem Album in ruhige und wunderbar unaufgeregte Töne kleidet. Um das schön zu finden, muss man sich nicht in euphorische Höhen steigern. Das kann man sich ja für die laufende Spaceman Spiff Tour aufheben.

Anspieltipps: Vorwärts ist keine Richtung / Mind the gap / Milchglas / Nichtgeschwindigkeit

Hörprobe: Teesatz

www.spaceman-spiff.de | facebook | bandcamp

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