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[Interview] Jahresrückblick mit Turbostaats Marten Ebsen

30. Dezember 2013
Marten (2.vl.) mit seiner Band Turbostaat (Foto: Julia Hoppe)

Marten (2.vl.) mit seiner Band Turbostaat (Foto: Julia Hoppe)

Eine der Bands des Jahres: Turbostaat haben 2013 ein starkes Album an den Start gebracht und mitreißende Konzerte gespielt. Gitarrist und Songschreiber Marten nahm sich vor dem Konzert in Münster Anfang Dezember die Zeit, um im Interview das Jahr Revue passieren zu lassen und über Stadt der Angst, die Zusammenarbeit mit dem Label Clouds Hill und das Zusammenspiel mit den anderen Projekten der Band-Mitglieder zu sprechen. Schließlich haben auch NinaMarie, wo Marten mit Thomas Götz von den Beatsteaks spielt, und Mountain Witch Platten veröffentlicht. Letzterer Band verleiht Toberts drückender Bass den nötigen Schub.

Also suchen wir uns eine halbwegs ruhige Ecke in der vorfreudig gefüllten Sputnikhalle. Nach kurzem Small Talk noch die Klarstellung, schließlich wohnt Marten seit einigen Jahren an der Spree: „Kannst ruhig berlinern, ich verstehe dich.“ Na so ein Glück, also los:

Ich würde gern mit Dir auf das vergangene Jahr zurückblicken. Kannst Du 2013 für die Band in drei Worten zusammenfassen?

Marten: 3 Worte? (überlegt) Konzerte. Konzerte. Konzerte. Im ersten Vierteljahr haben wir fast gar nicht gespielt und jetzt kam alles sehr geballt. Mental sitze ich noch in kurzen Hosen irgendwo auf der Parkbank, denn seitdem wir unterwegs sind, fliegt die Zeit natürlich.

Was denkt ihr rückblickend über Stadt der Angst und die Reaktionen der Leute?

Ich müsste mir die Platte vielleicht irgendwann auch noch mal anhören. (lacht) Die Reaktionen, die bei uns angekommen sind, waren alle durchaus positiv. (überlegt wieder) Ja, ich fand, das war ne gute Platte , die wir gemacht haben, die ganz anders aufgebaut war als die Platte davor und es gibt ganz viele Sachen, von denen ich jetzt schon entschieden habe, dass ich sie beim nächsten Mal anders machen würde, was nicht die Platte entwerten soll. Wir haben Entscheidungen getroffen zur Doppel-LP, zum dickeren Papier und der noch teureren Aufmachung – nachher war die Platte halt sehr teuer. Das wäre so eine Sache, die würde ich das nächste Mal anders machen.

Heißt das, dass die Platte vielleicht auch nicht ganz so gut gelaufen ist, wie man sich das gewünscht hat?

Doch, die ist super gelaufen. Glaub ich zumindest. Ich meine eher persönliche Entscheidungen, nicht, dass man sie bereut, aber beim nächsten Mal würde ich sie eben anders machen.

Marten auf dem Berlin Festival 2010 (Foto: flickr / Der Robert / CC-BY)

Marten auf dem Berlin Festival 2010 (Foto: flickr / Der Robert / CC-BY)

Ich habe euch im FluxBau gesehen im April, das war ja so eine Art Live-Premiere und da habt ihr wahnsinnig viel von der Platte gespielt.

Definitiv, das war ja auch die Idee hinter dem Konzert.

Habt ihr im Laufe des Jahres festgestellt, manche Songs laufen live besser als ihr gedacht habt, oder haben Songs weniger gut gezündet als erwartet?

Naja, wir haben jetzt zum Beispiel ein Lied von der Platte am wenigsten gespielt, nur so zwei, drei Mal.

Das letzte, Sohnemann Zwei?

Nee, das haben wir ganz häufig gespielt. Das ist auch ein sehr wichtiges Stück, finde ich. Aber von dem ersten, Eine Stadt gibt auf, hätte ich gedacht, dass das ein fester Bestandteil wird. So würden auch die Konzerte anfangen, hatte ich gedacht, aber das hat bei der Band als Kollektiv auf der Bühne nicht geklappt, warum auch immer. Wir haben das jetzt auf der Herbst-Tour zwei Mal gespielt, aber einige Leute kommen da gar nicht rein. Wir fühlten uns beim Spielen ein bisschen unwohl. Das ist total schade, da kann das Lied auch nichts für. Das ist unsere eigene Deppigkeit.

Ich fand Stadt der Angst inhaltlich konkreter als seine Vorgänger. Ihr habt sehr explizit politische Themen angesprochen aus der politischen Großwetterlage. Habt Ihr das Gefühl, dass sich seit dem Schreiben der Songs oder seit der Veröffentlichung etwas geändert hat?

Nö, natürlich nicht.

Gentrifizierung war eines der Themen, eigentlich im ganzen Land, vor allem in den Großstädten. Und das Grund-Unwohlsein, das Ihr verspürt habt, ist auch weiterhin vorhanden.

Natürlich. Gentrifizierung und so ein Zeug ist ja im Moment auch nur ein modernes Schlagwort und auch nur Ausdruck von dem System, wie es die ganze Zeit schon funktioniert. Das ist ja eine logische Konsequenz aus dem Ganzen.

Du klingst richtig resigniert.

Nein, nicht resigniert, aber es ist realistisch. Es gibt ja auch tolle Sachen, die immer wieder passieren. Leute, die sich positiv engagieren und tolle Sachen reißen.

Aber scheinbar nicht genügend, als dass Du daraus etwas Optimismus ziehen könntest für irgendeines der bearbeiteten Themen auf dem Album.

Naja, ich kann darüber keine Lieder schreiben. Das würde mir jetzt sehr schwer fallen. Müsste ich vielleicht mal versuchen, aber da habe ich jetzt eigentlich auch keinen Bock drauf.

Ihr singt ja selbst: „Manchmal sollte man nicht glauben, dass das alles so gehört.“ – Also was habt Ihr in diesem Jahr verändert, sei es im Bandgefüge, im Tourleben, in Eurem gesellschaftlichen Dasein?

In diesem Jahr eigentlich relativ wenig. Das sind dann eher Marginalien, aber wir haben im Jahr davor innerhalb der Band ganz viel verändert. – Wenn man halt nicht grad ne neue Platte rausbringt und auf Tour ist, kriegen das die Leute nicht mit. Das hatte was mit der Entscheidung zu tun, auf welches Label wir gehen. Wir haben auch viele, ich nenne es mal „geschäftliche“ Sachen komplett verändert und uns da auch neu aufgestellt. Zum Guten.

Du klingst diesbezüglich wesentlich positiver als eben noch.

Wir haben uns zum Beispiel dafür entschieden, wesentlich mehr Dinge wieder selber zu machen. Vorher hatten wir viele Leute, die was für uns gemacht haben. Die gibt es auch immer noch, aber wir haben die ganzen organisatorischen, kaufmännischen, die Management-Sachen dann auch wieder selbst übernommen.

Du hast das Label ja schon angesprochen. Wenn du zurückblickst: Clouds Hill ist ja ein ziemlich junges Label. Seid Ihr zufrieden mit Eurer Entscheidung und habt Ihr Euch das so vorgestellt?

Ja, ich bin sehr zufrieden. Wir haben da die Möglichkeit gehabt unter ganz großen Bedingungen aufzunehmen. Die ticken halt ein bisschen anders als andere Labels. Das finden alle bei uns eine total richtige und gute Entscheidung. Kleiner Glücksgriff, glaube ich.

War der Wechsel zu einem Indie ein bewusster Schritt, mit allen Konsequenzen, die du eben beschrieben hast, mehr Eigenverantwortung, mehr Freiheit…

(unterbricht) Das stellen sich die Leute immer so vor, aber wir hatten bei Warner auch komplette Entscheidungsfreiheit. Die hatten natürlich ‘nen anderen Fokus, den sie auf gewisse Sachen gelegt haben. Jetzt müssen wir den Fokus halt selbst auf gewisse Dinge richten. Das macht dann nicht mehr so‘n Kindergärtner vom Label, der dann sagt: „Ey, Ihr müsst doch mal…“, sondern dann müssen wir selber sehen. Das ist natürlich sehr viel Verantwortung, weil wir eben nicht alles selber machen. Wir haben ja auch Leute, die wir bezahlen und „auf uns angewiesen“ sind und all so’n Zeug – alles Entscheidungen, die eben nicht nur dich selbst betreffen.

Ihr habt jetzt die Alles bleibt konfus Single als 7“ veröffentlicht.

Genau.

Aber Clouds Hill hat doch auch eine „Live At Clouds Hill“ Reihe. Habt Ihr da vielleicht Sachen in der Schublade liegen, die Ihr im Rahmen dessen veröffentlicht?

Joa, weiß ich nicht. (zögert) Ich glaub, irgendwer hat das schon mal bei Facebook rausgepostet, dass wir da gespielt haben. Wir haben’s aber noch nicht fertig bzw. ich hab noch kein Bild gesehen davon, also weiß ich jetzt auch nicht, wie das wird, oder wann das rauskommt, weil wir jetzt die ganze Zeit auf Tour waren. Man müsste da wahrscheinlich jetzt mal nachfragen, aber dazu haben wir im Moment einfach keinen Kopf. Ich denke, nach Weihnachten und dem ganzen Kladderadatsch, wird da was kommen.

Das sind ja schon mal gute Nachrichten. Eine Frage zu den Support-Acts: Ihr spielt heute mit Love A, die haben auch ein klasse Album gemacht in diesem Jahr. Die Band liegt ja relativ nah, ihr liegt ja stilistisch nicht allzu weit auseinander. Das gleiche gilt für Findus, die ja auch schon für’s im SO 36 im nächsten Jahr bestätigt sind. Aber bei euch stehen auch Bands wie The Dope und EF auf dem Tourplan, die ich beide nicht gerade naheliegend finde.

The Dope haben uns mal in eine Sendung im Fernsehen eingeladen (Puls bei BR alpha, d.Red.). Da haben wir die kennengelernt, super Leute, dann wollten wir mal zusammenspielen. Haben wir dann gemacht.

Bei EF ist das so: Peter vermietet Busse und Roland fährt manchmal Busse für ihn. Eine Zeit lang hat er EF gefahren. Das sind Freunde von ihm und so haben die auch schon ein paar Mal bei uns mitgespielt. Das sind sehr umgängliche Leute, ein super Sound.

Ich mag die Bands, die deutschen Punk machen, alle sehr gern, aber ich find‘s toll und eigentlich auch wichtig, dass man mal was anderes macht. Nur so im eigenen Saft unterwegs sein, das muss nicht immer sein. Das wäre ja so wie, wenn als Vorgruppe von den Ärzten ne Ärzte-Coverband spielt, das ist ja dann auch scheiße.

Es gab als Ärzte-Vorband ja auch schon ne Hosen-Coverband. Beim Auftakt im FluxBau hat Jan sowas gesagt wie: „Wir werden euch die nächsten drei Jahre so auf den Sack gehen“ – also was sind Eure Pläne für 2014? Könnt Ihr neben den bereits bekannten Tourterminen irgendwas verraten?

Nee, wir sind ganz nachlässig. Wir haben zwei Festivals bestätigt, so weit ich weiß, aber sonst haben wir nicht wirklich drüber nachgedacht, was wir nächstes Jahr machen. Normalerweise hätten wir das schon lange fertig, aber so recht wissen wir das noch nicht. Wir wollen jetzt erst mal ein bisschen Pause machen. Wir spielen im Februar noch mal und dann im Mai, aber alles nur Festivals. Sonst ist noch nichts geplant. Ich schätz mal, dass wir Ende des Jahres wieder auf Tour gehen.

Wenn Du noch ein paar Minuten hättest, würde ich Dich noch was zu NinaMarie fragen, weil Ihr die Platte auch vorne am Merch liegen habt. Tobert hat ja bei Mountain Witch Bass gespielt und bei NinaMarie waren die VÖ-Intervalle ziemlich groß. Harmonieren all die Bands und Projekte gut miteinander oder läuft das alles völlig autark nebeneinander?

Das läuft völlig autark. Bei NinaMarie ist das so: Thomas hat viel zu tun mit den Beatsteaks und ich habe viel zu tun mit Turbostaat. Und manchmal machen wir dann in unserer Freizeit sowas. Aber manchmal trinken wir auch einfach Kaffee oder gucken uns ‘nen anderes Konzert an. Deshalb sind das halt weitere Abstände. Und ähnlich ist es auch bei Tobi und Mountain Witch. Das ist halt so absolute Freizeitgestaltung.

Die Platte ist jetzt auch erst Ende des Jahres gekommen. Ich meine mich sogar zu erinnern, den Vorab-Stream auf einer Ami-Seite gesehen zu haben…

Das kann gut sein.

…und ganz schön überrascht war. Die Platte ist ja auch bei This Charming Man erschienen, aber die werden jetzt nicht wie Kadavar wochenlang durch die USA touren, oder?

Im Frühjahr würde das ja vielleicht sogar gehen, aber ich glaube, die wollen das auch gar nicht. Ich glaube, die haben jahrelang im Proberaum rumgespielt, bis sie diese Platte gemacht haben. Aber man soll ja niemals nie sagen. Wir haben haben ja auch mit NinaMarie gesagt, dass wir nicht live spielen – haben wir neulich trotzdem mal gemacht.

Halt mal, das ist ja völlig an mir vorbeigegangen, dann war nicht wirklich öffentlich?

Ja, war nicht öffentlich. Aber dann haben wir das wenigstens mal versucht.

Hat’s Spaß gemacht?

(lächelnd) Schon.

Dann danke ich dir für das Gespräch und wünsche viel Spaß bei der Show und alles Gute für 2014!

Das Mountain Witch Album Cold River läuft übrigens bei bandcamp im Stream und ist bei This Charming Man zu bekommen. Feuer in der Nachbarschaft von NinaMarie ist bei Rookie Records erschienen. Stadt der Angst und die Alles bleibt konfus 7″ bekommt ihr im Clouds Hill Shop.

Turbostaat auf Tour:

06.02. – Berlin, Bi Nuu
07.02. – Berlin, Lido
08.02. – Berlin, SO 36

30.-31.05. – Ruhrpott Rodeo
17.-20.07. – Deichbrand Festival

2 Kommentare leave one →
  1. gefuehlsbetont permalink
    7. Januar 2014 14:08

    Super Interview. Danke dafür!

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