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[Review] Frank Turner & The Sleeping Souls waren mit Lucero und John Allen in Berlin

20. September 2013

Frank Turner & The Sleeping Souls + Lucero + John Allen
08. September 2013 – Berlin, Huxleys Neue Welt

Aua, das tat weh. Die Rede ist nicht von den Rückenbeschwerden, die Frank Turner um ein Haar zur Absage der Europa-Tour gezwungen hätten. Nein, das Gitarrensolo in Photosynthesis endet nicht nur mit den üblichen Dankesworten an Crew und Publikum, sondern auch mit einem blutigen Schädel des Gitarristen. Der Frontmann, der die Gitarre für die Tour aus der Hand gelegt hat, übt eine lässige Nick Cave Pose und schwingt das Mikro am Kabel, das den heransprintenden Ben Lloyd geradewegs gegen den Kopf donnert. Einem großen Lacher in der ganzen Band folgt der Schreck, als Kopf und Arm auf einmal rot werden. Den Song bringen sie zu Ende und dann haben sie es eilig, von der Bühne zu kommen. Ab geht es ins Krankenhaus.

Für diejenigen, die sich Frank Turner öfter anschauen, sind das tatsächlich die bemerkenswertesten Aspekte: Komme, was da wolle. Der Brite und seine Band lassen sich nicht aufhalten. Auf die ärztliche Empfehlung hin, die Tour abzusagen, reist eben Gitarrist Dan mit. Und ein Loch im Kopf ändert auch nichts daran, dass am Tag drauf ein Konzert ansteht. Weil die Shows dann auch noch überzeugen wie eh und je – heute mit deutlich aufwändigerem Licht-Set-Up, das nett aussieht – wächst seit Jahren die Fan-Schar. Erst recht, seit der Vertriebs-Deal mit Universal den Briten sogar ins Morgenmagazin und auf diverse große Plakatflächen in der Stadt gespühlt hat. Vorteil des großen Publikums ist, dass Turner seine Lieblingsbands wie Lucero aus den USA mit auf Tour nehmen kann.

Zwischen den vielen Konstanten des Sets vermissen manche die eine oder andere alte Perle und das großartig emotionale Tell Tale Signs, das im Mai noch solo zu hören war. Dafür zerrockt die Band die jüngste Single Losing Days, das auf dem Album sehr mandolinenlastig das Altern behandelt. Für den Mut, Broken Piano so originalgetreu auf die Bühne zu bringen, verdienen sie Respekt, wenngleich der Song nicht für’s Live-Programm gemacht ist. Das Huxleys feiert ihn für jedes einzelne der Stücke. Es ist das alte Spiel: Der ehemalige Indie-Darling mit Credibility wird zum Star. Die Kehrseite der immer noch ehrlichen und mit vollem Einsatz durchgezogenen Live-Shows. Muss man sich eben nach neuen Darlings umsehen, die man in kleinen Räumen sehen kann. Der Hamburger John Allen im Vorprogramm, der ist so einer. Den hat das Publikum, das früh genug da war, aber auch schon ins Herz geschlossen.

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