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[Review] Die Beatsteaks in der Wuhlheide 2011

21. Juni 2011

Beatsteaks + Johnossi / Kitty, Daisy & Lewis
10. + 11. Juni 2011 – Berlin, Wuhlheide

Am Ende war alles Papierstreifen und Konfetti (Foto: jottpunkt.)

Am Ende war alles Papierstreifen und Konfetti (Foto: jottpunkt.)

Allein an den Support-Bands für die beiden Heimspiele in der Wuhlheide lässt sich ablesen, welchen Status sich die Beatsteaks erarbeitet haben. Da werden einfach mal Kitty, Daisy & Lewis während ihrer UK-Tour nach Berlin geholt. Einfach, weil die Band sich das wünscht. Dass das Experiment mit dem ruhigen Southern-Sound-Rockabilly der Familienbande am Ende nur bedingt gelingt und die Publikumsreaktionen freundlich bis zurückhaltend bleiben – das ist eine der wenigen Anekdoten des Konzertdoppelpacks, die nicht unter F wie Fantastisch zu verbuchen ist. Nicht fantastisch ist auch die Songauswahl. Nicht nur, dass mehr Abwechslung an zwei aufeinander folgenden Tagen wünschenswert gewesen wäre. Das Debüt mit Ausnahme der Barfrau ignorieren sie (wie so oft) komplett, selbst Shiny Shoes ist nach den Europa-Shows rausgeworfen worden.

Der Rest des Wochenendes ist F wie Fantastisch. Diese grenzenlose Euphorie, die sich mit Konzertbeginn im Innenraum ausbreitet, ist selbst nach einer Reihe von grandiosen Clubkonzerten, die ich mir dieses Jahr schon anschauen durfte, schlicht unglaublich. Die Flugzeuge im Landeanflug auf Schönefeld und Tegel müssen in der Wuhlheide das Pyronale-Gelände erahnt haben, so viele Bengalos werden an diesen zwei Abenden abgebrannt. Dass sich das Boombox-Material mittlerweile wie angegossen ins Live-Set einfügt, muss gar nicht erwähnt werden. Und in jedem einzelnen Moment haben die fünf Hampelmänner und ganz besonders der eine in der Mitte das Publikum unter Kontrolle. Als am Samstag das Soundboard abraucht, startet er, der mittige Hampelmann kurzhand eine Laola, die einfach nirgendwo so verdammt noch mal fantastisch aussieht wie in der Wuhlheide. 17 000 Menschen und trotzdem hast du das Gefühl, im Wohnzimmer zu sitzen. Zugegeben ein verdammt großes Wohnzimmer. Den Flachbildschirm und die Beleuchtung hat die Kapelle gleich mitgebracht und auf die Bühne gestellt.

Als schließlich ausgerechnet zu Loyal To None Raketen in den Himmel steigen, werden die Widersprüche, die diese Band so reizvoll machen, so offenkundig wie nie zuvor an diesem Abend. Punkrock vs. Stadiongeste. Unsere Jungs vs. Rockstars. Tattoos vs. Diskokugeln. – Die Beatsteaks vereinen alles in einem Topf und rühren noch mal ordentlich um. Es muss nach zwei aufeinanderfolgenden ausverkauften Abenden in der Wuhlheide erlaubt sein zu fragen, wo das noch hinführen soll. Auf die Headliner-Position bei Rock am Ring früher oder später sowieso. Und bizarrerweise haben sie trotzdem in diesem Jahr in vielen kleinen Venues in Deutschland gespielt. Noch so ein Widerspruch. Überhaupt nicht widersprüchlich, sondern Ausdruck der ungebrochenen Spielfreude, die diese Band dieses Jahr an den Tag legt, ist, dass ich mich nicht entscheiden möchte, ob mir die Konzerte vor 170 oder vor 17 000 Leuten besser gefallen haben. Am Ende des zweiten Abends sitzt Torsten versonnen am Bühnenrand, Arnim verteilt Herzlichkeiten in die Arena, der Rest ist schon im Bühnenschatten. Die Papierstreifen fliegen noch durch die Luft, da sind sie dann alle verschwunden. Der Wiederspruch in sich. Unsere Jungs. Konfetti-Punks. „Träumt groß“ haben sie Stunden zuvor noch gesagt. „Denn Träume können wahr werden.“

Netzschau

Das Konzert ist tausendfach dokumentiert, wie ihr bei Youtube leicht feststellen werdet. Ich empfehle euch diesen Kanal. Einen kurzen TV-Bericht gibt es bei tv.berlin.

Den 10. Juni hat Marcel von gigsight.de aus dem Graben eingefangen. Fotos vom 11. Juni gibt es bei loyaltonone.net. Eine ganz wunderschön anzuschauende Foto-Doku des Wochenendes hat Mit Vergnügen. Außerdem ist allein dieses Foto mal den Blick zu flickr wert. Mehr hier. Eine kleine Review mit ebenfalls tollen Fotos hat sixumbrellas.de.

Text gibt es beim Tagesspiegel (ein bisschen quatschig), bei Lieblingstape (das inoffizielle BS-Fanzine ;) und bei Jttpnkt (gefühlig und deswegen toll toll toll!). UPDATE: Weiteren Text und weitere Bilder bei jmc.

2 Kommentare leave one →
  1. 21. Juni 2011 14:05

    Inoffizielles BS-Fanzine? :D Aha, aha!

  2. 21. Juni 2011 22:39

    kitty, daisy & lewis sind so großartig!

    unwürdiges publikum. :P

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