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[Review] The Chapman Family – „Burn Your Town“

28. April 2011
The Chapman Family - "Burn Your Town" (PIAS / Rough Trade / VÖ: 04.03.11)

The Chapman Family - "Burn Your Town" (PIAS / Rough Trade / VÖ: 04.03.11)

Ich muss mich entschuldigen, dass ich das Debütalbum der Chapman Family so lange habe rumliegen lassen, ohne mal ein paar Worte dazu loszuwerden. Ich versichere, dass das nichts mit der Band oder dem Album zu tun hat. Denn das ist kein schlechtes. Nein, wirklich nicht, eigentlich finde ich, dass es mit Anxiety sogar einen der bisher ohrwurmigsten Rock-Songs des Jahres enthält. So einen aufgeweckten treibenden Rhythmus erwartet man nicht, wenn man völlig ohne Vorwissen den Opener hört – „It’s Over To A Certain Degree…“ singt Kingsley Chapman. Dazu liest man den Promo-Schriebs, die Anekdote von übermalten Schaufenstern in seiner Heimatstadt Redcar, die Leben in leeren Geschäften vortäuschen sollen. Und man kommt schnell zu dem Schluss, dass der Album-Titel Burn Your Town passend ist – wenn alles im Arsch ist, dann niederbrennen die Hütten. Jetzt mal ordinär gesprochen.

Aber dann kommen ja All Fall und eben Anxiety um die Ecke und schnell ist der Gedanke verworfen, denn wenn so eine kaputte Stadt noch zu solchen Songs inspiriert, dann lass sie stehen die Bruchbuden. Verzerrter Bass und verzerrte Gitarren, dazu die tiefe Stimme Kingsleys. Das passt sehr gut und man versteht ein bisschen, warum NME und Konsorten wieder mal durchdrehten, als The Chapman Family 2009 über die Insel tourten. Und genauso plötzlich wie diese Melodiewucht auf einen eindrosch, hört sie auch schon wieder auf. Es folgt: Noise. Zumindest ein Gemisch von Noise, Postpunk, Wave, ein Stück weit die Schnittmenge zwischen Sonic Youth und Joy Division, was das Sound-Ideal angeht, das da mehr als deutlich angestrebt wurde. Dazu düstere Themen, Kindermord im Zweiten Weltkrieg, diese Schiene. Kids nimmt die Melodieseligkeit der ersten Songs zwar zu einem gewissen Grad wieder auf, aber man wird das Gefühl nicht los, dass man gerne mehr von dieser Chapman Family gehabt hätte, die einen durch verärgerte Rock-Songs statt durch Gitarrenwände zerrt, die dann gerne mal unkommentiert stehen gelassen werden.

Es gibt nicht viele Bands, die Drei-Minuten-Hits genauso gut schreiben können, wie Sieben-Minuten-Gitarren-Epen. Burn Your Town versucht beides zu liefern und wird vielleicht Anhängern beider Lager ein paar schöne Songs schenken, aber es fällt schwer das Album in Gänze zu erfassen. A Million Dollars ist zum Beispiel von beidem etwas. Nach monolithischem Beginn folgt eine Noisewall aus Gitarre, Becken und einem Phazer-Synthie-Effektgerät-Dingens, dem man die Beruhigungspillen abgesetzt hat. 2 Bands in einem Song. Mir gefallen die Anxiety-Chapmans deutlich besser, weil sie eher zu wissen scheinen, wo sie hinwollen.

Bewertung: 7/10

Anspieltipps: All Fall, Anxiety, Kids

Das Album könnt ihr hier in voller Länge hören:


Burn Your Town by The Chapman Family

(Rezensionsexemplar)

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