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2009: Ein Jahr in Scheiben [UPDATE]

30. Dezember 2009

Seltsam fremd waren mir die Top Of The Blogs aus diesem Jahr. Das hat mich dann doch dazu bewogen, ein paar Anmerkungen zu den meiner Meinung nach besten CDs dieses zu Ende gehenden Jahres aufs Tapet zu bringen. Was hat das Jahr gebracht? Was bleibt, woran wird man sich erinnern?

U2 - No Line On The Horizon

U2 - No Line On The Horizon

Unerwarteterweise werde ich mich lange an dieses Jahr im Zusammenhang mit U2 erinnern. Mit Abstand betrachtet ist No Line on the Horizon (VÖ: 27.02.09) keine wirklich rundum gelungene Platte. Es sind gefällige Songs darauf, wirklich cool ist eigentlich nur Get on Your Boots. At The Moment Of Surrender war ein guter Soundtrack für einen März voll Nebel und dunkler Tage. Viel wichtiger für die Erinnerungen sind die Konzerte, so völlig unterschiedlich und beide absolut fantastisch und einprägsam. Im Olympiastadion und am Brandenburger Tor haben U2 bei mir wirklich Eindruck hinterlassen.

Mastodon - Crack The Skye

Mastodon - Crack The Skye

Hätte ich mich Ende März für ein Album des Jahres entscheiden müssen, wäre meine Entscheidung glasklar ausgefallen: Die mir bis dato völlig unbekannte Band Mastodon aus Georgia hat mit Crack the Skye ein beim ersten Hören schlicht unglaubliches Erlebnis, eine Achterbahnfahrt erster Güte veröffentlicht und – dabei kann man bis heute bleiben – die Metal-Platte des Jahres hervorgebracht. Im nächsten Jahr gibt’s dann auch in Deutschland eine Headliner-Tour. Und ich ärgere mich heute schon, dass ich dort vermutlich nicht hingehen kann.

Die Toten Hosen - La Hermandad

Die Toten Hosen - La Hermandad

Doch auch mir wohl bekannte Bands haben von sich hören lassen: Die im April veröffentlichte „argentinische“ Version des 2008er Albums In aller Stille der Toten Hosen mit dem kurzen Titel La Hermandad – En El Principio Fue El Ruido enthielt teilweise schon veröffentlichte Remixe aus der Zurück zum Glück-Phase und zum Glück auch ein paar neue Stücke – diese konnten überzeugen. Das Album wirkt mir in dieser Version aber bis heute zu lang und ich finde es schade, dass die neuen Stücke im Ausland sehr oft, in Deutschland aber sehr selten gespielt wurden. Im November sollte viel Live-Material folgen – über die Bonus-DVD des Deluxe-Packages mit dem dämlichen Titel Die volle Dröhnung könnte ich ganze Abhandlungen schreiben, lasse es aber hier und unterlasse auch mal eine Wertung zum Live-Album.

Muff Potter- Gute Aussicht

Muff Potter - Gute Aussicht

Ebenfalls im April erschien ein Album, das für mich das Jahr ganz entscheidend prägen sollte. Klar kannte ich Muff Potter vorher. Bevor ihr Album veröffentlicht wurde. Bevor ihr letztes Album veröffentlicht wurde. Gute Aussicht. Das erste Mal hatte ich von dieser Band vor Jahren gehört, als eine Band ein Lied von ihnen coverte. Als ich dann das Original hörte, dachte ich „Der kann ja gar nicht singen!“ und vernachlässigte die Band. Was für ein Fehler. Als die Gute Aussicht im April veröffentlicht wurde, habe ich alles verschlungen, was ich von der Band bekommen konnte. Und dieses Album war der Auslöser dafür. Dieser raue Sound. Diese unglaublichen Texte, in denen man nicht nur zwischen sondern selbst in den Zeilen auch beim zwanzigsten Mal neue Details und Interpretationen für sich entdeckt. Mal voller Pessimismus und Lethargie. Und dann wieder ein Quell von Kraft. Was für eine Band.

Dinosaur Jr. - Farm

Dinosaur Jr. - Farm

Im Sommer schließlich erschien das Album mit dem schönsten CD-Cover des Jahres: Farm von Dinosaur Jr. Und die Musik erst! Auch wenn Dinosaur Jr. schon seit 1984 Musik machen, war die Band mir kein Begriff, bis dieses Album erschien. Das 2007er Reunion-Album Beyond war irgendwie an mir vorbeigegangen. Auf dem Album vereinen sich ellenlange Gitarren-Passagen mit wunderschönen Melodien. Auf treibende Rock-Songs folgen herzzerreißende Balladen. Dazu singt J Masics so verlässlich zerbrechlich und mit mehr Soul als es mancher Soul-Sänger je getan hat. Ein wunderbares Album, bei dem leider ein bis zwei Ausfälle unter den Songs den Gesamteindruck ein klein wenig schmälern.

Thrice - Beggars

Thrice - Beggars

Während der Sommer vorüberzog, konnte man Thrice dabei zu sehen, wie sie versuchten, den vermeintlichen Schaden, der durch den frühzeitigen Leak ihres Albums entstanden war, möglichst gering zu halten. Mitte Oktober sollte Beggars erscheinen. Letztendlich gab es das Album schon Mitte August als Download. Mitte September stand die Scheibe auch im schicken Digipak und um fünf Bonus-Tracks (die man sich allerdings auch nur herunterladen konnte) erweitert in den Läden. Es ist nicht unbedingt ein Kompliment, wenn ich sage, dass das Album insbesondere durch die bis dato unveröffentlichten Bonus-Songs und die Cover-Version von Helter Skelter erst so richtig gut wird. Und dennoch ist Beggars ein intensives Hörerlebnis, ein intensives, vielseitiges Album, dem eigentlich nur die Akustik-Songs fehlen, um mit den Alchemy Index-Alben gleichzuziehen.

Pearl Jam - Backspacer

Pearl Jam - Backspacer

Ebenfalls Mitte September machten die alten Herren von Pearl Jam auf sich aufmerksam. Und 2009 war für mich definitiv auch ein Jahr der Entdeckungen. Natürlich war mir der Bandname ein Begriff, aber wenn einem nicht mal drei Lieder auf Anhieb einfallen, kann man nicht gerade behaupen, eine Band zu kennen, oder? Also lernte ich Pearl Jam kennen. Mit Backspacer. Das Album ist wirklich kurz, es beginnt mit Wumms und endet plötzlich, aber dazwischen liegen einige Facetten, die mir schlichtweg so ziemlich alle gefallen. Eigentlich erscheint mir die Musik von Pearl Jam im positiven Sinne so mainstreamtauglich, dass man sie permanent im Radio hören können müsste. Umso schöner, dass sie einem nicht kaputtgespielt wird. Backspacer hat mich zumindest so sehr überzeugt, dass ich mir die Band, die, so hab ich mir sagen lassen, für ihre sagenhaften Live-Shows bekannt ist, im nächten Jahr in der Berliner Wuhlheide anschaue.

Them Crooked Vultures - dto.

Them Crooked Vultures - dto.

Schließlich endete für mich das Album-Jahr mit einem Highlight, welches wohl für das gesamte vergangene Jahrzehnt ebenso herausragende Bedeutung hat wie für die Zukunft von energischer Rock-Musik. Ein Highlight, auf das ich mich tierisch gefreut habe. Wer hätte für möglich gehalten, dass ein Album, eine gemeinsame Band und schließlich auch noch Konzerte das halten, was die beteiligten Namen versprechen: John Paul Jones, Josh Homme, Dave Grohl. Man kann es kaum zu oft betonen. Die drei haben Musik geschrieben, welche das Denkmal Led Zeppelins in Ehren hält und gleichzeitig wie die (noch) besseren Queens Of The Stone Age auf einem Innovationstrip klingt. Them Crooked Vultures haben mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album einen Kracher veröffentlicht, der in seiner Musikalität konkurrenzlos ist, und einfach ein unglaublich gutes Konzert in Berlin gegeben, das mich immer noch wie ein Irrer grinsen lässt, wenn ich daran denke.

UPDATE

Mit ein bisschen Abstand betrachtet fehlt diesem Artikel noch etwas. Wo ist zum Beispiel Frank Turner? Damn, das war doch sein Jahr und trotzdem hat keines seiner Alben, die dieses Jahr veröffentlicht wurden, auf voller Länge so überzeugt wie einige der oben genannten. Aber Photosynthesis, Reasons not to be an idiot oder The Ballad of me and my Friends – alles herausragende Songs, die für mich zum Soundtrack des Jahres gehören. Auch wenn letzterer Song nicht in diesem Jahr released wurde.

Und wo wir schon bei Sachen sind, die nicht 2009 rauskamen: Warum eigentlich habe ich The ’59 Sound erst Mitte des Jahres angehört? Was für ein unglaublich gutes Rock-Album! Ich hoffe sehr, dass The Gaslight Anthem im nächsten Jahr wieder Konzerte spielen, für das AREA 4 Festival stehen sie ja schon fest.

Natürlich gab es auch ein paar Enttäuschungen, wie zum Beispiel Battle for the Sun von Placebo oder für mich persönlich auch 21st Century Breakdown von Green Day, das ich im ersten Durchlauf noch abgefeiert habe, welches aber mit zunehmender Dauer immer langweiliger wurde, sodass ich heute noch zwei Songs davon nett nennen würde und den Rest lieber vergessen habe.

5 Kommentare leave one →
  1. Cornell permalink
    30. Dezember 2009 12:17

    wir haben mal young until i die von muff potter gecovert!! :D
    kenne nur gute aussicht und backspacer. muss ich mir die anderen wohl auch mal reinziehen.

  2. 31. Dezember 2009 17:05

    100% für U2 und es gibt neue Album, U2 ist nicht nur eine Band, es ist eine Religion

  3. Johannes permalink
    6. Januar 2010 15:27

    Frohes neues Jahr erstmal ^^

    Und komm schon Herr Akkordarbeiter, Placebo waren doch gar nicht so enttäuschend, ich würde eher sagen „anders“. Man hört halt bei einigen Liedern mal einen neuen Sound, der für mich etwas hoffnungsvoller als viele vorherigen klingt. Und außerdem gibts ja noch das „Kings of Medicine“, welches für mich definitv zu den top Placebo-Liedern zählt.

    Und wo ist Cosmic Egg von Wolfmother? Ganze vier Jahre haben mich die Australier immerhin warten lassen um wieder schön rocken zu können. Und außerdem stand ich für ein ticket von denen zwei Stunden in der Kälte vor dem Columbiaclub ^^

    Aber trotz meiner Kritik find ich deine Zusammenfassung toll und da hab ich doch auch glatt mal lust mir etwas bisher unbekanntes anzuhören.

Trackbacks

  1. 2010 – Ein Jahr in Scheiben « akkordarbeit

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