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[Review] Ausflug ins Rock’n’Roll-Paradies: Die Foo Fighters in Berlin

26. Juni 2011

Foo Fighters + Band Of Horses
18. Juni 2011 – Berlin, Wuhlheide

In der Wuhlheide müssen Konzerte um 23.00 Uhr beendet sein. Das dürften auch die Personen in der Foo Fighters Entourage wissen, die es wissen müssen, schließlich hat die Band 2008 schon einmal hier gespielt, das Konzert um acht begonnen und vorbildlich noch vor halb elf beendet. Die Promo-Termine für Wasting Light, die die Band in den letzten fünf, sechs Monaten absolviert hat, hatten Berichten zufolge teilweise sogar bis zu drei Stunden Spielzeit. Für eine der wenigen Headline-Shows, die Dave Grohls Band auf ihrer Europa-Tournee zwischen die Festivals geschoben hat, durfte man also einiges erwarten. Und dann setzen die einem als Support wen vor die Nase? Ihre Labelmates Band Of Horses. Das Band gewordene Bremspedal. Ich möchte niemanden zu nahe treten, dem ihre Musik gefällt – auch im Publikum gibt es davon einige – aber für mich ist das beste an diesem Auftritt, dass währenddessen die Sonne rauskommt, während es den Nachmittag über geschifft hat. Man fühlt die Zeit gerinnen, die man von Dave Grohl angeschrien werden möchte, und die hören und hören einfach nicht auf, ihre in ihrer Coldplayhaftigkeit unglaublich langweiligen Lieder zu spielen, die man wohl auch noch Rock nennen soll. Und wozu basteln die beim Line-Check noch ewig an einem zusätzlichen Mikro-Stativ rum?

Als die Foo Fighters um neun die Bühne betreten, ist die Hoffnung auf ein Set mit Überlänge voller Live-Perlen hinüber, aber zu hohe Erwartungen sind ja bekanntlich nie gut. Schnell begnüge ich mich mit dem, was ich vorgesetzt bekomme: Wie entfesselt reagiert das eben noch komatös rumstehende Publikum im Innenraum auf die ersten Worte: “These are my famous last words!!!” Natürlich noch lange nicht. Bridges Burning und Rope eröffnen das Best-Of-Set, das ansonsten nur noch während White Limo, Walk und ausgerechnet dem etwas stapfigen Arlandria Wasting-Light-Frischluft schnuppern darf. Vom Vorgänger haben es The Pretender und etwas überraschend Let It Die ins Set geschafft. Der Rest der Songs ist altbekannt und teilweise seit 16 Jahren publikumserprobt. So gerät My Hero zum frühen Triumphzug in der seit Monaten ausverkauften Arena, in die man vor dem Konzert noch einen Laufsteg gezimmert hat, von dem aus Herr Grohl das Publikum aus nächster Nähe animieren kann, doch noch lauter zu singen. Machen dann auch alle liebend gerne. Dennoch bleibt der Steg im Laufe des Abend eher wenig genutzt, hätte man sich sparen und einen normalen Wellenbrecher in den Innenraum stellen können, wären sicher gut 1000 zusätzliche Plätze freigeworden. Naja, meckern auf sehr hohem Niveau.

Schließlich verlassen Tayler, Pat, Chris und Nate die Bühne. Dave sagt, der nächste Song sei ein Experiment, er spiele ihn zum ersten Mal in dieser Form. Ich erkenne erst gar nicht, dass es sich um Wheels handelt. Unter anderem auch deshalb, weil die Middle-Of-The-Road-Hymne auf einmal richtig gut klingt. Wie das Publikum unaufgefordert den Background-Chor im Refrain übernimmt! Da ist selbst der Chef überrascht, wie gut das funktioniert! In der Mitte von Times Like These erscheinen die anderen dann wieder und es geht weiter im Text. Wobei meine Hoffnungen auf Up In Arms, This Is A Call, Hey, Johnny Park oder Aurora leider unerfüllt bleiben. Dafür geschieht, wovon ich nicht mal zu träumen gewagt habe. Dave: Ein Freund hätte ihn heute Morgen in einer SMS gefragt, ob er zu der Berlin-Show kommen könnte. Klar, warum nicht gleich einen Song zusammen spielen? “Ladies & Gentlemen, my good friend, from Motörhead: Lemmy”. Seit ich zum ersten Mal die Aufzeichnung der Hyde-Park-DVD gehört hatte, fragte ich mich, warum sowas immer nur in London passiert – und jetzt steht der King Of Rock’n’Roll mit der aktuell größten Band des Rock’n’Roll vor meiner Nase und spielt den Probot-Song Shake Your Blood. Schön auch, dass man der Band am Ende die ehrlich empfundene Freude über das Konzert und das enthusiastische Publikum abnimmt. Wie hat Martin so schön über das Konzert gesagt: “Ein Ausflug ins Rock’n’Roll-Paradies – und dann kommt auch noch Lemmy vorbei und winkt.” Und zugegeben, nach den erlebten Höhepunkten fallen die Wahl der Vorband und das misslungene Zeitmanagement nicht mehr allzu schwer ins Gewicht.

Netzschau

Von dem Konzert gibt es natürlich unzählige Videos auf Youtube; die Setlist auf setlist.fm sieht gut aus. Fotos hat intro.de und natürlich werdet ihr bei flickr fündig, z.B. hier oder hier.

Weitere Rezensionen gibt es hier:

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